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Das kleine Einmaleins des schlechten Films: „The Unborn“

Donnerstag, 26 März 2009 02:00 von Kristina Kesselring

Als Fan von Horrorfilmen dachte ich wirklich, dass es eine gute Entscheidung wäre The Unborn zu sehen. Aber es war eine schlechte Entscheidung. Meist bereue ich es nicht ins Kino zu gehen, selbst bei den miesesten Filmen entschädigt mich zumindest das Erlebnis der riesigen Leinwand. Hier nicht. The Unborn hätte wirklich nie geboren werden dürfen. Dies ist der schlechteste Horrorfilm des Jahres und das weiß ich, obwohl das Jahr erst begonnen hat. Der Regisseur und Drehbuchschreiber David S. Goyer hat sich selbst „untertroffen“.

Grausame Menschenversuche während der NS-​Zeit

Die junge Studentin Casey Beldon, gespielt von Odette Yustman, wird von Angst einflößenden Visionen geplagt. Ein Junge mit eisblauen Augen verfolgt sie. Sie glaubt, ebenso wie ihre Mutter, die vor Jahren in der Heilanstalt Selbstmord begangen hat, wahnsinnig zu werden, doch dann erfährt sie von ihrer Großmutter (Jane Alexander spielt Sofie Kozma) das Unglaubliche. Während der Nazidiktatur wurde Caseys Großmutter und deren Zwillingsbruder grausamen Menschenversuchen ausgesetzt, in deren Verlauf Sofies Bruder starb und als ein „Dybbuk“, ein Dämon, zurückkehrte, der von Sofie getötet wurde.

Casey wiederum hatte einen im Mutterleib verstorbenen Zwilling, in den eigentlich besagter Dämon fahren wollte. Da dies nicht funktioniert hat, nimmt der Dämon nach und nach Besitz von Casey. Natürlich kommt es zu einem Exorzismus auf jiddisch. Nicht einmal Gary Oldman, der den hilfreichen Rabbi Sendak darstellt, konnte „The Unborn“ noch retten. Nach und nach befällt der Dämon so ziemlich jeden von Caseys Freunden und versucht ihr so noch Schmerzen zuzufügen. Am Ende wird der Dybbuk natürlich ausgetrieben.

Ihr seht, wenn die Geschichte nicht so lächerlich wäre, wäre sie undurchsichtig. Wenigstens erklären die Naziversuche die beständig wiederkehrenden blauen Augen, nicht wahr? Hätte dieser Film von Anfang an das Prädikat „Trashfilm“ gehabt, hätte ich ihn mit anderen, vielleicht verständnisvolleren Augen betrachtet. Allerdings, ich kenne mich auch mit Trashfilmen aus und diese Kreation hätte das Trashgenre beleidigt.

Ein hingerotzter Horrorfilm zum Lachen

Es ist schwer guten Horror zu erzeugen, das weiß ich. Aber von Goyer, einem Mann, der bei den ersten beiden Blade–Produktionen, Batman Begins und The Dark Knight mitgewirkt hat, hätte man mehr erwarten können. Um mich herum lachten die Leute, allerdings nicht wegen dem vereinzelten holprig fantasielosen Humor oder weil sie wegen den „Schockszenen“ einen Ausgleich brauchten. Sie lachten, weil selbst die anspruchslosesten Kinogänger erkannten, dass man diesem „Auswurf“ filmischen Schaffens nicht mit Ernsthaftigkeit begegnen konnte.

Nicht einmal gute Schauspieler hätten diesem Machwerk geholfen – das magere Drehbuch, die flachen Texte und die zunehmend abwegige Handlung zogen den Film automatisch in die Reihe der E-​Movies. Wenigstens behielt der Film über seine ganze schmerzhafte Länge von mehr als achtzig Minuten seine miese Qualität bei, so dass man, wenn man in der Mitte des Filmes den Saal verlassen hätte, sich sicher sein konnte, nichts Weltbewegendes verpasst zu haben.

Zu The Unborn‚s Verteidigung und weil das wohl immer noch wild entschlossene Kinogänger erwarten, muss ich sagen – ja – durch schnelle Schnitte und fantasievolle Ton– und Spezialeffekte bin ich sogar das ein oder andere Mal zusammengezuckt. Doch das ist ein verschwindend geringer Pluspunkt. Ansonsten: über einen Film, der bereits in der ersten Minute mit einem Hund glänzt, dessen Schnauze unter einer menschlichen Pappmaske verborgen ist, kann man wohl nichts mehr sagen.

Es gibt noch schlimmere Zeitvertreibe

Ihr könnt eure Zeit schlechter verbringen, allerdings nur wenn ihr Sozialstunden bei der Straßenreinigung oder einen Besuch bei der Schwiegermutter noch offen habt. The Unborn ist ein drittklassiger Horrorfilm, wenn überhaupt. Für die Freunde der Illegalität: Ihr könnt euch den Film natürlich gerne herunterladen, doch glaubt mir, sogar der Speicherplatz auf dem Computer ist dafür zu schade. Setzt euch lieber hin und lest ein anständiges Buch – damit seid ihr auf jeden Fall besser beraten.

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