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Verlorene Posten

Dienstag, 29 Oktober 2013 06:46 von BN-​Redaktion

Kulturtips. Dorfleben ohne Landlust, Richard Millet bei Antaios und noch ein Rückblick auf Ernst Noltes Leben.

Die Landlust ist groß unter deutschen Städtern. Jedenfalls wenn es nach dem Erfolg von Zeitschriften geht, die ihren Lesern das Leben auf dem Land als eine Welt bestehend aus lauter Hobbyarbeit ohne jegliche Anstrengung, dafür aber mit umso mehr Blumen beschreiben. Wer dann aber mit der Wirklichkeit der Provinz konfrontiert wird – schlechte Busverbindungen, Grundstücksgrenzstreitereien, fehlendes Kulturangebot – der flüchtet dann doch häufig wieder zurück in den Schoß der Stadt. Die Wahrheit liegt bekanntlich irgendwo dazwischen. Die Dokumentation Am Ende der Milchstraße (Trailer s.u.) zeigt das Landleben in einer 50-​Seelen-​Gemeinde in Mecklenburg vollkommen ungeschminkt. Die porträtierten Menschen tun das, was getan werden muß, „gestalten ihre Umwelt, schreiben sich in die Landschaft“. Dabei sind sie auch immer wieder mit der Perspektivlosigkeit ihrer Region konfrontiert, die dazu führt, daß die viele junge Leute abwandern.

Richard Millet hat im vergangenen Jahr für Furore und Verstörung gesorgt, als er eine literarische Lobrede auf den Terroristen Anders Breivik schrieb. Dabei ging es ihm nicht um die Glorifizierung des Massenmörders, er verurteilte die Tat. Er versuchte vielmehr die Ursachen im Multikulturalismus der norwegischen Gesellschaft auszumachen. Sein Text führte zu aufgeregten Diskussion nicht nur in der französischen Kulturwelt, die dafür sorgten, daß Millet nun weitgehend aus dieser ausgeschlossen wird. Essentielle Texte Millets erscheinen nun in einem Band in der Edition Antaios. Verlorene Posten versammelt u. a. auch Essays zum Antirassismus in der Literatur, der zu einem Verfall ihrer Qualität führe.

Richard Millet: Verlorene Posten. Schrifsteller – Waldgänger – Partisan. Edition Antaios, 200 Seiten. Bis zum 31. Oktober kann der Band zum Subskriptionspreis von 19 € vorbestellt werden.

Eigentlich hatte der inzwischen 90-​Jährige Philosoph und Historiker Ernst Nolte vor zwei Jahren angekündigt, nach seinen Italienischen Schriften (Landt-​Verlag) und den Späten Reflexionen (Karolinger) nichts mehr veröffentlichen zu wollen. Doch so ganz scheint ihn das Schreiben und sein bewegtes (Geistes-)Leben noch nicht loszulassen. Im Olzog-​Verlag erscheint demnächst die Autobiographie des großen Geschichtsdenkers. Als endgültiger Abschluß seines Lebenswerkes soll das Buch vor allem der jüngeren Generation ermöglichen, sich ein abwägendes Urteil zu bilden.

Ernst Nolte: Rückblick auf mein Leben und Denken. Olzog Verlag, 272 Seiten, 27,90€. Erscheint demnächst.

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