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Ernst Nolte über den Islam

Dienstag, 19 März 2013 08:43 von Robin Classen

Der renommierte und vom gesellschaftlichen Mainstream nur widerwillig anerkannte Historiker Ernst Nolte ist seit Jahren für seine streitbaren Thesen zur Zeitgeschichte bekannt.

Seine Berühmtheit und die Ablehnung, die ihm von der politischen Linken massiv zuteil werden, erlangte er durch seine Rolle im Historikerstreit. Dort vertrat er die Position, dass der Holocaust kein unvergleichliches Ereignis sei und sah den historischen Nationalsozialismus in erster Linie als Gegenstand objektiver wissenschaftlicher Forschung an – und nicht als Inkarnation des absoluten Bösen. Dieses Bedürfnis nach vorurteilsfreier Geschichtsforschung, was er einmal im Ruf nach „Gerechtigkeit für Hitler“ zum Ausdruck brachte, manifestiert sich vor allem in seiner typischen Herangehensweise, sich in bestimmte Strömungen und Ideologien hineinzudenken und auch deren Blick auf die Welt zu berücksichtigten.

Der Islamismus als dritte Widerstandsbewegung gegen den Westen

Angesichts der vielen pseudowissenschaftlichen, apologetischen wie auch alarmistischen Bücher über den Islam, die sich heute so gut verkaufen, dass sie in jeder Buchhandlung zu finden sind, erscheint es erfrischend, auch mal von einem anerkannten Historiker ein wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Werk in den Händen zu halten.

Noltes Einordnung des Islams passt in sein historisches Grundkonzept: Der Islam sei neben dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus die „dritte Widerstandsbewegung“ gegen den Westen, gegen die Demokratie und gegen den Kapitalismus. Der ganze Islam? Nicht ganz: Nolte spricht schon im Titel vom „Islamismus“, was Islamkritikern übel aufstoßen dürfte, ist die Unterscheidung zwischen dem genuinen Islam und dem Islamismus doch letztlich ein erst in den letzten Jahren erfundenes Konstrukt der Political Correctness. Es wurde installiert, um nicht zugeben zu müssen, dass die wahre Trennlinie zwischen dem Islam und seinen Hasspredigern in Wahrheit doch sehr fließend ist.

Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis offenbart Erstaunliches: Auf gerade mal 400 Seiten will Nolte über die beiden anderen Widerstandsbewegungen informieren, über die Rolle des Islams im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg, die Rolle des Zionismus, über die panarabische Bewegung, die islamistische (sic!) Revolution im Iran und den modernen Islamismus. Ein mehr als ehrgeiziges Programm!

Schon Napoleon war ein Freund des Islam

Nach dem Lesen des Buches erkennt man: Was sich unmöglich anhört, ist es letztlich auch. Nolte erzählt eine Fülle an durchweg interessanten Anekdoten aus verschiedenen Zeitaltern, jedoch jeweils nur in wenigen Sätzen. Wer mehr wissen will, wird auf ein ausgezeichnetes Literaturverzeichnis und die in diesem Fall unumgänglichen, nach jedem Kapitel aufgeführten Anmerkungen verwiesen. Ein Konzept, dass man nicht gut finden muss, das Noltes Buch jedoch als guten Ausgangspunkt für weitergehende Studien erscheinen lässt.

Ähnlich schwer erscheint daher auch die Herausforderung, einen Überblick über das bereits so stark komprimierte Buch zu geben: Lediglich einige Rosinen lassen sich herauspicken. Auch aus heutiger Sicht interessant sind die Beziehungen zwischen Ägypten und Frankreich, die Nolte herausarbeitet. Bereits Napoleon sei ein Islamfreund und Frankreich des öfteren mit islamischen Nationen im Bunde gewesen – selbst, wenn diese gegen Europa zogen. Ägypten hingegen durchlebte Ende des 19. Jahrhunderts eine Phase der Europäisierung, die ihren Höhepunkt in einer Äußerung des Herrschers Ismail fand, der 1878 mitteilte, dass Ägypten nun nicht mehr zu Afrika gehöre, sondern schon einen Teil von Europa bilde.

Interessant sind auch die Parallelen und Unterschiede, die Nolte zwischen Islam und Kommunismus ausgemacht haben will: Hierbei ist vor allem der Bezug auf den panarabischen Sozialismus des ägyptischen Herrschers Nasser und die Historie der syrischen Baath-​Partei hervorzuheben. Beide vereinten Nationalsozialismus, Kommunismus und Islam mehr oder minder miteinander. Noltes These, der Kommunismus sei in Wahrheit jedoch ebenso ein „revolutionärer Konservatismus“, erscheint eher abwegig: Die Arbeits– und Rückständigkeitsromantik ist eher archaisch, als tatsächlich wertbewahrend. Vielleicht ist gerade diese archaische Haltung der Grund dafür, dass auch Chomeini in seinen Schriften vielfach kommunistische Bilder und Stereotypen für eine islamische Revolution aufgriff.

Verblüffende Parallelen zwischen Islamismus und Zionismus

Sahnestück des gesamten Werkes stellt jedoch das Kapitel über Zionismus dar: Etwas, das angesichts des Titels eher verwundert. Hier weist der – wie er auch selbst zugibt – mit dem Islam nur oberflächlich bewanderte Nolte wahres Fachwissen auf und zieht verschiedene Verknüpfungen, die verblüffen. Als eher antizionistischer Autor spinnt Nolte besonders gerne den Faden zwischen Zionismus und Nationalsozialismus und deckt beispielsweise auf, dass die politische Bezeichnung „Nationalsozialismus“ zum ersten Mal im Buch „Rom und Jerusalem“ vom Juden Moses Hess von 1862 auftauchte: Es handelt vom künftigen Staat Israel. Auch dass Theodor Herzl eine „Überlegenheit der Juden“ postulierte, weswegen diese ein Anrecht auf „Lebensraum in Palästina“ hätten, erinnert den deutschen Leser an entsprechende Worte Adolf Hitlers. Gut gelungen erscheint auch der Abschnitt über den armenischen Völkermord, dessen Umstände den wenigsten Deutschen bekannt sein dürften.

Insgesamt bleibt der Eindruck jedoch durchwachsen: Das Buch hat keine wissenschaftlichen Höhepunkte, eine wirkliche Schwerpunktsetzung findet nicht statt. Der Rundumschlag taugt zwar durchaus als Ausgangsbasis für weitergehende Studien und vergrößert das historische Allgemeinwissen erheblich, aber wirklich auf den Islam und seine mögliche Rolle als Widerstandskraft wird nicht eingegangen. Es scheint, als wäre das Wissen Ernst Noltes in seinen mehr als 90 Lebensjahren einfach so reichhaltig geworden, dass es ihm unmöglich geworden sein könnte, sich auf einen bestimmten Aspekt zu beschränken. Selbst dem Historikerstreit hat er noch ein Nachwort gewidmet, so dass das Buch letztlich als eine Nolte-​Melange aus ziemlich allem erscheint: Und das wie gesagt auf gut 400 Seiten.

Gegenwartsbezug ist leider höchstens zufällig vorhanden: Einen Ausblick oder eine Analyse der Rolle des Islams in unserer heutigen Zeit und der nahen Zukunft wagt der Autor nicht: Aber gerade das dürfte einen Großteil der Leser interessieren. Als Ausgangspunkt für weitere eigene Studien ist Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus hervorragend geeignet. Manch anderen könnte das permanente Wechseln zwischen Kapitel und Anmerkungen und die sehr kurze Behandlung einzelner Thesen eher abschrecken.

Ernst Nolte: Die dritte radikale Widerstandsbewegung: Der Islamismus. 414 Seiten, Landt Verlag 2009. 39,90 Euro.

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