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Aus der Mottenkiste: „Die Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis

Dienstag, 28 Februar 2012 06:45 von Lukas Rudi

Die siebenteilige Reihe der Narnia–Chroniken ist mittlerweile in fast 50 Sprachen übersetzt, über 100 Millionen Mal verkauft und gehört damit weltweit zu den größten Kinderbuchklassikern überhaupt. Selbst Harry Potter–Autorin Joanne K. Rowling wurde davon geprägt. Die gelungene Verfilmung dreier Teile war zudem ein Kinoerfolg…

„Der Mensch im Ganzen, der Mensch in der Auseinandersetzung mit dem Universum – haben wir ihn überhaupt gesehen, solange wir nicht gesehen haben, dass er wie ein Held in einem Märchen ist?“ (J.R.R. Tolkien), „Mir geht es um eine bestimmte Weise, das Leben zu betrachten, die in mir durch Märchen erzeugt, doch seither sanft durch die schlichten Tatsachen bestätigt wurde.“ (G.K. Chesterton) Diese Zitate zur Bedeutung von Märchen aus den Federn zweier großer britischer Literaten, beschreiben sehr gut mein mehrfaches Lektüre-​Erlebnis der Narnia–Chroniken. Die fantastischen Geschichten des irischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Clive Staples Lewis wurden für mich immer wieder zu Schatztruhen angefüllt mit Werten zur Orientierung im Leben.

C.S. Lewis: Mit Hilfe von Tolkien zu Christentum bekehrt

Als Jugendlicher begegnete ich zuerst Lewis´ christlich-​apologetischen Büchern, wie Pardon, ich bin Christ oder Dienstanweisung für einen Unterteufel. Diese überzeugten mich durch ihre ebenso feinsinnigen wie logischen Zugänge zu Glaubensinhalten. Während seiner Jugend und als junger Akademiker war Lewis Atheist. Herr der Ringe–Schöpfer J.R.R. Tolkien, selbst gläubiger Katholik, war mitverantwortlich, dass sich sein Freund Lewis als über 30-​Jähriger Oxford-​Professor dem Christentum zuwandte.

Als 18-​Jähriger Abiturient stieß ich während eines Englandaufenthalts bei meiner Gastfamilie auf The Lion, the Witch and the Wardrobe (deutscher Titel Der König von Narnia), den bekanntesten (chronologisch zweiten) Teil der Chroniken, die Lewis zwischen 1939 und 1954 verfasste. So betrat ich erstmals das Reich Narnia. Dort begegnete ich unter anderem sprechenden Tieren, Faunen und einer wunderschönen Hexe, die dafür sorgte, dass es in Narnia immer Winter bleibt ohne dass es jemals Weihnachten wird. Erst die Rückkehr des Löwen Aslans sorgte für erste Frühlingszeichen. Der nach seinem Verrat an seinen Geschwistern zum Tod verurteilte Edmund wird verschont, weil sich Aslan an seiner Stelle der Hexe opfert. Aslan erwacht vom Tod und befreit Narnia endgültig von der Hexe und ihrem Fluch. Die Parallelen zur christlichen Lehre von Jesu Kreuzestod für die Sünden der Menschen und seiner Auferstehung sind beabsichtigt, jedoch keine platten Allegorien, da sehr viel mehr Tief– und Hintersinniges in den Narnia-​Geschichten steckt.

Gute Fantasy schärft unseren Blick für tiefere Dimensionen des realen Lebens

Bei mir bewahrheitete sich, was Lewis selbst über Märchen schrieb: „Es ist überhaupt ein Irrtum, zu glauben, Kindergeschichten seien nur für Kinder geschrieben. Die meisten großen Phantasien und Märchen sind für alle bestimmt. Kein Buch ist es wirklich wert, dass man es mit zehn Jahren liest, wenn es nicht ebenso wert ist, mit fünfzig gelesen zu werden.“ Die mögliche Wirkung von guter fantastischer Lektüre beschreibt der Autor folgendermaßen: „So kehren wir nach dem Lesen mit erneuerter Freude, Ehrfurcht und Befriedigung in die wirkliche Welt zurück. Der Junge verachtet nicht wirkliche Wälder weil er von verzauberten Wäldern gelesen hat, sondern das Lesen lässt alle Wälder ein wenig verzaubert werden.“ Lewis sieht die Bedeutung solcher Geschichten in ihrer Fähigkeit, im Leben eines Menschen eine Sehnsucht nach etwas zu wecken, dass er nicht kennt. „Sie ergreifen den Menschen mit der undeutlichen Ahnung von etwas jenseits seiner Reichweite und geben der wirklichen Welt, statt sie farblos und leer erscheinen zu lassen, eine neue Dimension der Tiefe.“ Ganz ähnlich sieht es sein Freund Tolkien: „Aus guter Fantasy entspringt ein plötzliches Aufblitzen der tieferen Wirklichkeit.“

Konservative Werte und biblische Bilder zur Orientierung und Stärkung

So lässt sich erklären, dass die abenteuerlichen Geschichten aus Narnia nun schon für mehrere Generationen ein lebenslanger Begleiter geworden sind. Konservative Werte wie Tapferkeit, Treue, Selbstlosigkeit, Gehorsam und Ehrfurcht vor echter Autorität füllen das Universum dieser Bücher ebenso wie viele Anklänge aus biblischen Geschichten, so z.B. das Leben nach dem Tod von Aslans Getreuen in seinem Land oder das Verlöschen von Narnia, welches an das neutestamentliche Weltende erinnert. Aber auch wer nicht bibelfest ist, kann sich in Narnia verzaubern lassen und für das wirkliche Leben Orientierung und Stärkung empfangen.

C. S. Lewis: Die Chroniken von Narnia. Ueberreuter-​Verlag. Im Schuber. 89,- Euro.

Regelmäßig erscheint in dieser Reihe ein Text, in dem ein BN-​Autor oder eine BN-​Autorin das liebste Buch, den liebsten Film, den liebsten Komponisten oder die liebste Band vorstellt. Wer selbst etwas vorstellen möchte, schreibt eine Mail an Diese E-​Mail-​Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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