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Hat Trump eine Trumpfkarte?

Dienstag, 20 Oktober 2015 12:26 von Prof. Paul Gottfried
Gage Skidmore, flickr, CC Gage Skidmore, flickr, CC

Prof. Paul Gottfried porträtiert für uns Donald Trump und erklärt, welche Chancen er hat, Obamas Nachfolger zu werden.

Der schlagartige Aufstieg Donald Trumps als republikanischer Präsidentschaftskandidat muss mit etlichen Umständen erklärt werden. Zuallererst gefällt es der Parteiwählerschaft, dass Trump, ein Milliardär und erstklassiger Immobilienhändler, stets für seine Wahlkampfausgaben einsteht. Trump hebt sich von geldsuchenden Konkurrenten dadurch ab, dass er keinem „vielverlangenden Gönner“ willfährig dient. Er kann es sich deshalb leisten, ungezwungener und deutlicher Positionen zu beziehen.

Schluss mit der Filzokratie!

Immer wieder wirft er seinen Gegnern Jeb Bush und Marco Rubio Abhängigkeiten von Mäzenen vor, da sie auf Spenden in Höhe von dreistelligen Millionen Dollarbeträgen angewiesen sind und so die Interessen ihrer Gönner mit vertreten müssen. Im Gegensatz zu den anderen, so Trump, ist er nicht in eine Filzokratie eingebunden. Da er finanziell unabhängig und auf sich selbst angewiesen ist, bestreit er gerne die eigenen Wahlkampfspesen.

Trumps rüstiges Auftreten straft zudem seinen neunundsechzig Jahre Lügen, ein wohltuender Eindruck, den seine bei weitem jüngere Gattin, ein österreichischstämmiges Schönbild aus Slowenien, verstärkt. In seinen Auftritten schwingen die Gewagtheit und sogar eine gewisse Großspurigkeit mit, wenn er unbekümmert auf die Medien losgeht. Wenn irgendwelche meist aus der linken Ecke stammende Fragestellung ihm missfällt, dann zaudert Trump keine Millisekunde, mit dem Befrager unwirsch umzugehen.

Kein Karrierist, weil er Geld hat

Abschüsse entlädt er ebenso auf seine Gegner bei Fernsehdebatten, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt. Trump setzt sich frappant von den alltäglichen republikanischen Stellenjägern ab. Er lässt es verlauten, dass er nicht im Geringsten der Politischen Korrektheit verfällt. Darüber hinaus spricht und agiert er, als ob die zerstörerische Machtstellung der Medien ihm nie vorschwebt oder einfällt. Wegen seiner prall gefüllten Kasse und seinem Hintergrund als langjähriger Fernsehprominenter dünkt er sich über die „Schlauberger“ erhaben.

Trump erdreistet sich Reizfragen zu berühren, die andere Politiker nie mit Zangen anfassen würden. Gleich zu Beginn seiner Kandidatur sprach er die Forderung aus, gesetzwidrige Zugezogene tunlichst bald „heimzuschicken“. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, betonte er die hochgehende Verbrechensrate bei den Illegalen und donnerte gegen die „Asylstädte“, wie San Francisco, die sogar die gewalttätigsten Illegalen beschützen und sie mit Sozialleistungen überschütten.

Umgang mit illegalen Einwanderern

Eine andere Streitfrage, die Trump mit Lust und Liebe in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit hievt, ist die bestehende Übung, an den Nachwuchs der rechtswidrig Ansässigen volle Bürgerrechte zu verleihen. Schon lange schenkt man den Uneingeladenen die amerikanische Staatsbürgerschaft, egal wie die Eltern sich herbegeben haben. Dies basiert darauf, dass die Verfassung alle im amerikanischen Geltungsbereich Geborenen als Staatsbürger erachtet. Daraus erwächst ein auf die Eltern übertragbares Bleiberecht und ein Weg zum vollen bürgerrechtlichen Stand für sie. Trump stellt die betreffende Verfassungsauslegung sowie den Brauch infrage und macht sich lustig über den „Ankerkind-​Begriff“. Das weist darauf hin, dass des Öfteren mit Bedacht in den USA zur Welt gebrachte Knaben von Illegalen den Eltern sowie dem Kind Bürgerrechte verleiht.

Ebenso zu bemerken ist Trumps Versuch, als Gewährsmann der einheimischen Arbeiterschaft sich hinzustellen. Er wettert gegen die geltenden Verkehrsabkommen mit anderen Ländern, besonders am pazifischen Rande, und jammert darüber, dass „unsere geschundenen Arbeiter” um Stellen und Lohngeld geprellt worden seien. Trump stellt die Tendenz von Großkapitalisten heraus, Arbeitsstellen in Staaten zu verlegen, wo nur ein Hungerlohn gezahlt werden muss. Dies beißt sich insbesondere mit dem Vorhaben der Oberschicht, einen steten Einwanderungszufluss, um das Lohnniveau weiter zu senken, zu gewährleisten.

Rückendeckung von Pat Buchanan

Mit seinen Ausfällen gegen die transnationalen Firmenvorstände, die mit „unseren Arbeitskräften” Schindluder treiben, erinnert Trump an den schon ausgetretenen Volkstribun Pat Buchanan, der ihm jetzt als Kommentator Rückendeckung gibt. Merkwürdigerweise kümmern sich die meisten Trump-​Anhänger, die überwiegend aus der Rechten entspringen, keineswegs um seinen Umgang mit linken Persönlichkeiten oder seinem langjährigen Ruf als Schwerenöter. Was die Grundpositionen unseres politischen Prominenten betrifft, holt die Erinnerungskraft des Publikums nicht weit aus.

Ungeachtet seiner Vorteile ist es dennoch möglich, dass Trumps Unterfangen bald verpuffen wird. Bei links orientierten Gruppen wie Latinos, Schwarzen und Feministinnen schneidet er erbärmlich ab, und zwar ärger als andere republikanische Kandidaten, die auch bei diesen Gruppen wenig Resonanz finden. Die Sache noch erschwerend, hat Trump mehr als ein Viertel der republikanischen Parteibasis gegen sich. Die von der Parteiführung unterrichteten republikanischen Wähler neigen den farblosen aber bescheinigten Präsidentenkandidaten wie Jeb Bush und Marco Rubio zu.

Parteibasis hat Angst, den Nonkonformen zu vertrauen

Auch wenn die Basis so tut, als ob sie den „Washington-​Insidern“ den Rücken zuzukehren bereit ist, scheuen sie vor Kandidaten zurück, die zu weit von dem Parteimuster abweicht. Als Verhöhner von Big Business-​Interessen und als Vertreter einer ausgewogenen Außenpolitik, die mit dem Republikanischen Hauptfeind Wladimir Putin Reibungen zu glätten vorschlägt, stößt Trump viele parteitreue Fußsoldaten vor den Kopf.

Da die Berufsoffiziere schon darauf verzichten, einen aus ihren Bevorzugten, sprich Bush oder Rubio, beliebt zu machen, wenden sie sich notdürftig an einen anderen Vorzeigeaußenseiter, einen ansehnlichen schwarzen Chirurgen, Ben Carson, der sich schon einen beträchtlichen Anhang erkämpft hat. Als ein schweigsames Mitglied der Ärzteschaft, das selten dringende politische Belange sachkundig anspricht, weist dieser Kandidat allerdings zwei Vorteile auf: Die republikanische Basis will einen schwarzen Präsidentschaftskandidaten, damit sie entgegen der Einflüsterung der demokratischen Medien anderen beweisen kann, dass sie nicht rassistisch gesinnt ist. Der republikanische Anteil an der schwarzen Wählerschaft pendelt sich dagegen über den Daumen gepeilt um ein einziges Prozent ein.

Die Vorteile eines farbigen, farblosen Kandidaten

Zum anderen ist Carson im parteipolitischen Sinn solchermaßen tabula rasa, dass die Establishment-​Wächter überzeugt sind, dass sie ihm ins Bewusstsein ihre eigenen Haltungen einprägen können. Bislang lohnt es, Carson als eine Alternative hochzuspielen, indem er an statistisch erfasster Beliebtheit Trump gleichkommt. Da er ein frommprotestantischer Kirchgänger mit einem vorbildlichen Familienleben ist, kann man aus Sicht eines traditionellen Standpunktes wenig an seinem Habitus aussetzen. Jedoch fällt es schwer, Carsons politisches Profil schlau abzuschätzen. Ganz selten tritt er an eine brenzlige Frage kampfbereit heran. Stattdessen setzt er darauf, einen breiten Bogen um Reizthemen zu machen.

Wenn Trump ins Schleudern gerät, dann trägt er jedoch auch selbst eine Teilschuld daran. Verwachsen mit seiner Stärke, seine Meinung ehrlich zu sagen, liegt sein ärgster Minuspunkt, nämlich sein Unvermögen sich im richtigen Moment zurückzuhalten. Sobald ein Berichterstatter nach seiner Ansicht über ein beliebiges Thema fragt, dann kann sich Trump schwerlich einhalten, daherzureden, auch wenn der Fragesteller unverkennbar darauf hinzielt, dem Befragten eine offensichtliche Falle zu stellen.

Bei den gesendeten Debatten mit seinen Nebenbuhlern hat er Lust, „stets auf dem Stegreif zu reden“ oder mit seiner überlegenen Begabung zu prahlen. Dabei stolpert er allerdings zu oft über die eigene Sprache, springt von einem Ansinnen zum nächsten aufs Geratewohl hinüber, und mangels eines Besseren ergeht er sich in ausfälligen Aussprachen auf Kosten der anderen Beteiligten. Was anfangs weithin ansprach, Trumps Freimut, wirkt sich nun zu seinem Schaden aus.

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