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Jahrhundertprojekt Energiewende

Mittwoch, 26 November 2014 23:29 von Dirk Taphorn

Die Bielefelder Ideenwerkstatt hat sich mittlerweile als freies und unvoreingenommenes Diskussionsforum etabliert. Dieses Jahr sorgte die Energiewende für kontroverse Vorträge und Gespräche.

Zum zehnten Mal bereits lud die Bielefelder Burschenschaft Normannia-​Nibelungen zu ihrer Ideenwerkstatt ein. Unter dem Titel „Die Energiewende – Jahrhundertprojekt zwischen Notwendigkeit, Hysterie und Machbarkeit“ beleuchteten unter anderen der ehemalige „ZDF-​Wetterfrosch“ Dr. Wolfgang Thüne und der Historiker Prof. Dr. Joachim Radkau verschiedene Aspekte des Themas. Gut 50 Teilnehmer folgten der in diesem Jahr etwas kleiner gehaltenen Veranstaltung.

Schnellschuß Energiewende — 20 Jahre Entwicklung verschlafen

Nach einer kurzen Einführung schilderte Marcus Brall von der EFI Wind GmbH den Prozeß von der Planung zur Realisierung einer Windkraftanlage. Wie komplex die Errichtung einer Windkraftanlage in der Praxis ist, dürfte viele Zuhörer überrascht haben: Von den ersten Planungsschritten bis zur Fertigstellung dauert es mindestens vier Jahre. Doch nicht nur die Standortsuche, die baurechtlichen Vorgaben und die technische Umsetzung stellen große Herausforderungen dar – um die produzierte Energie auch dem Endkunden effektiv zur Verfügung stellen zu können, fehlen in Deutschland Stromtrassen.

Zudem stammen viele Überlandleitungen noch aus den 1950er und 1960 Jahren. Zwar gibt es für die Windkraftanlagenbetreiber einen gesetzlichen Anspruch an den Anschluß an das Stromnetz – der kann jedoch auch mehrere Kilometer weit von der Anlage weg sein. Brall wies darauf hin, daß die politisch gewollte Energiewende ein Schnellschuß der Regierung war. Im Bereich der Energieversorgung habe die Politik 20 Jahre Entwicklung verschlafen. Die Mehrkosten haben nun die Verbraucher zu tragen.

Lernen aus dem Konflikt um die Kernenergie?

Der Historiker Joachim Radkau referierte über die Kernenergie-​Kontroverse und was man daraus beim Umgang mit der Energiewende lernen könne. Radkau, einst selbst Anhänger der Kernenergie, vermittelte einen geschichtlichen Blick auf die Bewertung der Kernenergie. So gab es in den 1950er und 60er Jahren ein durchaus positives Bild in der Gesellschaft zur Kernkraft. Kritik daran kam komischerweise vor allem aus der RWE-​Konzernspitze. Der emeritierte Professor der Universität Bielefeld beschrieb wie sich die gesellschaftlichen Positionen zur Atomkraft wandelten. Dabei gab Radkau den Teilnehmern auch einige amüsante Anekdoten zum besten. Gleichzeitig betonte er den starken Einfluß von unterschiedlichen Lobbyorganisationen.

Das gelte auch für die Energiewende und vermeintlich „grüne Energiegewinnung“. Denn auch scheinbare Objektivität sei häufig interessengebunden, auch „Wahrheiten“ können sich als vergänglich erweisen.

Klima gibt es nicht!“

Nach der Mittagspause legte der ehemalige „ZDF-​Wetterfrosch“ Wolfgang Thüne als Meteorologe seine Sicht auf den Klimawandel dar. Die sogenannten Klimadaten und –beobachtungen seien willkürliche Durchschnittswerte verschiedener Wetterphänomene, die keinerlei Aussagekraft hätten. „Das Klima gibt es nicht!“, so Thüne. Und der Mensch könne es auch nicht verändern.

Doch selbsternannte Klimaexperten leiteten dennoch moralisierende Handlungsempfehlungen für die Gegenwart ab. Dabei sei „eine CO²-​freie Welt eine tote Welt!“ Ohne das allgegenwärtige Treibhausgas Kohlenstoffdioxid gäbe es – wie ohne Licht und Wasser – kein Wachstum auf diesem Planeten.

Ausbau der Stromnetze gegen den Blackout

Im letzten Vortrag des Tages erläuterte Prof. Dr. Lutz Hofmann, Institutsleiter im Fachgebiet Elektrische Energieversorgung an der Universität Hannover, Herausforderungen und Lösungsansätze beim für die Energiewende notwendigen Netzausbau. Aus der Veränderung der Verteilungs– und Produktionsstruktur von Energie ergäben sich neue technische Anforderungen und Probleme beim Transport von Strom. Die neuen Energiequellen führten zu wachsenden Unsicherheiten im Stromnetz. Die Netzspannung muß jedoch stabil sein, bei einem großem Ausschlag nach oben oder unten droht ein vollständiger Stromausfall (Blackout).

Um dem entgegenzuwirken ist ein Netzausbau dringend notwendig. Dazu bedürfe es mehrerer zehntausend Kilometer neuer Stromtrassen. Dies ließe sich jedoch nicht von heute auf morgen ändern. Und so werde der Import und Export von Strom in Europa, auch auf Grund der Liberalisierung des Strommarktes, weiter zunehmen, um eine sichere Energieversorgung zu garantieren.

Die abschließende Diskussion zeigte vor allem den Unmut vieler Zuhörer über die übereilte und unüberlegte Handlungsweise der Politik bei der Energiewende. Alle Referenten konnten durch die unterschiedlichen Fragestellungen und Herangehensweisen interessante und unbekannte Aspekte des Themas herausarbeiten. Keineswegs wurden dabei einseitig nur Klimamythen des Mainstreams hinterfragt, auch „Klimaskeptiker“ hatten manche harte Nuß zur Selbstreflexion zu schlucken. Der Bielefelder Ideenwerkstatt ist es wieder gelungen alte und neue Gesichter auf ihr Haus zu locken und ein komplexes Thema mit anspruchsvollen Vorträgen aus verschiedenen Richtungen aufzuarbeiten.

Bild: Molgreen/Wikipedia.de/(cc)

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