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Sucht den Arier

Montag, 12 Mai 2014 20:55 von Ernst Hofer

Mitternachts zeigte das ZDF am 5. Mai die Dokumentation „Die Arier“ von Mo Asumang. Ihre Suche nach Wurzeln rechtsextremer Ideologie versprach Tiefgang. Und blieb flach.

Immer, wenn die ehemalige Moderatorin, Schauspielerin und Filmemacherin Asumang Dokumentationen dreht, geht es um Nazis. Schon in ihrem ersten Bericht Roots Germania von 2007 behandelte sie das Thema Rechtsextremismus in Verbindung mit einer Suche nach ihrer eigenen Identität. Das Thema, so die Deutsche mit ghanaischem Vater und deutscher Mutter, beschäftige sie, seitdem die Musikgruppe „White Aryans Rebels“ sie unmittelbar in einem Liedtext mit dem Tod bedrohte. „Diese Kugel ist für dich, Mo Asumang”, sang die Band vor rund zehn Jahren.

NPD und „Auschwitz-​Oma”

In ihrer neuesten Doku wirft die Filmemacherin die Frage nach den Motiven der Rechtsextremen wieder auf. Direkt am Anfang fragt sie, woher das Überlegenheitsgefühl der Neonazis komme. Sie begibt sich deshalb zu einer NPD-​Demonstration und fragt direkt nach. Aber hier erfährt sie nur Ablehnung und resümiert, dass die Partei die Ablehnung der Bundesrepublik als großangelegtes Ziel habe. In der nächsten Szene fragt sie eine Freundin namens Esther Bejarano, eine Holocaust-​Überlebende, woher der Begriff „arisch“ komme. Doch diese verneint eine Sinnhaftigkeit des Begriffes. Sie meint, dass auch sie zu den Neonazis nicht durchdringen würde. Sie sei nur die „Auschwitz-​Oma”. Den Nationalsozialisten könne sie aber die Ermordung ihrer Familie nicht verzeihen.

Ein Historiker, den Asumang befragt, vertritt die Ansicht, dass der Begriff ausschließlich zum Zweck der Ausgrenzung eingeführt wurde. Daraufhin tritt Asumang eine Reise in eine sogenannte „National befreite Zone” an. Jedoch erhält sie hier auch hier keine Antworten. Irgendwann darf auch der Verschwörungstheoretiker Axel Stoll auftreten.

Was ist Deutschsein?

Asumang versucht es schließlich auf anderem Wege: Von Burschenschaftern will Asumang wissen, was denn Deutschsein meine. Sie antworten ihr, dass Deutschsein die Auslebung der eigenen Kultur in Verbindung mit einer deutschen Abstammung meine. Parallel stellt Asumang einige Burschenschaften ohne Skrupel in engen Zusammenhang mit rechtsextremen Parteien wie der NPD. Den Grund dafür liefert wenige Sekunden später der Film selbst, als Christian Becker, Gründer der Initiative „Burschenschafter gegen Neonazis”, erscheint.

Der PR-​Unternehmer, der aus der Bonner Burschenschaft der Raczeks wegen schwerer Bundesschädigung rausgeworfen wurde, warnt in seinem Webblog vor angeblich rechtsextremen Burschenschaften. Vor Asumang darf er seine zweifelhaften Behauptungen vortragen. Asumang folgert nach dem Gespräch, dass Deutscher sei, wer die deutsche Staatsangehörigkeit habe.

Rätselraten um die Indogermanen

Doch das genügt ihr nicht: Asumang bohrt weiter nach dem Begriff „ arisch“ und spricht wahllos Passanten darauf an. Eine Antwort erhält sie erst von einem Linguisten, der ihr erklärt, dass der Begriff aus der Sprachwissenschaft komme und für die Sprachen Indiens und des Iran benutzt wird. Für das Deutsche sei er jedoch nicht anwendbar. Der Sprachwissenschaftler unterschlägt allerdings, dass das Deutsche und die indoarischen Sprachen zur übergeordneten, gleichen Sprachfamilie gehören, nämlich dem Indogermanischen. Bereits 1816 wies der Sprachwissenschaftler Franz Bopp, die Ähnlichkeit der meisten europäischen Sprachen untereinander sowie mit dem Indischen nach.

Um aber dem „echten Arier“ nachzuspüren, reist Asumang sodann in den Iran. Hier kommt sie zu der Erkenntnis, dass die Deutschen keine Arier seien, da sich der Begriff auf eine Volksgruppe in Zentralasien beziehe. Eine Szene, in der einige Iraner für Toleranz werben, darf da natürlich nicht ausbleiben. Asumang verkennt aber, dass Ähnlichkeiten zwischen dem Deutschen und den arischen Sprachen nicht zufällig sind. Beide Völker stammen höchstwahrscheinlich von einem Urvolk ab, das vor etwa 5000 Jahren lebte.

Nazis haben nur Angst

Es wurden bereits mehrere wissenschaftliche Theorien aufgestellt, um die Urheimat der sogenannten Indogermanen bzw. Indoeuropäer zu finden. Die prominenteste Theorie stammt von Marija Gimbujatas, einer litauischen Prähistorikerin und Linguistin, die diese Urheimat oberhalb des Schwarzen Meeres lokalisierte. Von dort aus breiteten sich die tatsächlich blonden und blauäugigen Indogermanen nach Westen und Osten aus. Das belegt unter anderem der Fund von hunderten, 3.000 Jahre alten blonden und blauäugigen Mumien eines ausgestorbenen indogermanischen Volkes in der zentralasiatischen Taklamakan-​Wüste. Auch neuere genetische Untersuchungen geben Gambijutas Recht.

Asumang spürt schließlich ebenfalls den Begriff „arisch“ für sich reklamierende, rechtsextreme Gruppen auf, darunter auch den Ku-​Klux-​Klan in den USA. Am Ende ihrer Reisen bleibt ein Fazit: Die Nazis hätten nur Angst und bräuchten deshalb unter anderem mittels eines zentralen Begriffes strikte Uniformität.

Multikulturalismus statt Analyse

Der ganze Dokumentarfilm basiert auch auf der Annahme, dass viele der Zuwanderer nach Deutschland Identitätsprobleme besäßen. Denn in Zeiten mit nur geringer Immigration habe es keinen Streit darüber gegeben, was denn „ Deutschsein“ meine. Erst seit den letzten Jahren und im Zuge stark ansteigender Einwanderung müsse die Gesellschaft ihr Modell hinterfragen. Doch anstatt konsequente Fehleranalysen zu betreiben, flüchtet sich Asumang lieber in eine multikulturelle Utopie. Der Film verliert sich ganz in diesem Ansatz.

Das Ergebnis steht dabei von Beginn an fest: Es soll gezeigt werden, wie sinnlos und begriffsarm jede rechte Ideologie eigentlich sei. Wo die Fakten nicht passen, wird auf geschickte Art und Weise kaschiert. Die Experten, die zu Wort kommen, sind ebenso ahnungslos wie die Befragten auf der Straße. Und die Auswahl an Vertretern der Rechten, wurde wohl bewusst schlecht gewählt und bleibt nicht repräsentativ. Menschen mit wenig Kenntnis von der Materie kann man überall finden. Eine solch schlechte Auswahl, wie sie im Film getroffen worden ist, wäre geeignet jede politische Bewegung zu diskreditieren. Dafür hat Asumang zweifelsohne die für sie günstigste Wahl getroffen. So fällt es ihr auch leicht, Burschenschafter und NPD quasi in einem Atemzug zu nennen.

Der Vorschlag, Die Arier als Lehrfilm in die Schulen zu bringen, ließ nicht lange auf sich warten. Dabei könnten die Kinder höchstens lernen, wie schlecht eine Filmemacherin gute Fragen manipulieren kann.

Bild: Ku-​Klux-​Klan-​Mitglied und Mo Asumang /​Quelle: ZDF und Yoliswa von Dallwitz

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