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Gulag

Dienstag, 12 November 2013 13:35 von BN-​Redaktion

Kulturtips. Der Gulag aus der Sicht eines Nachgeborenen, Brennpunkt Balkan und die „blutige Romantik“.

Beginnt nun die Aufarbeitung der Verbrechen des Sowjet-​Regimes aus der Sicht der Nachgeborenen? Literarische Zeugnisse über das sowjetische Gulag-​System gibt es bereits, zu nennen sind vor allem Alexander Solschenizyn und Warlam Schalamow. In ihren Werken wird wor allem die Opferperspektive behandelt. In seinem Buch Der Himmel auf ihren Schultern arbeitet der junge Autor Sergej Lebedew nun die Verbrechen aus der Perspektive der Nachgeborenen auf. Am Anfang der Geschichte steht ein Junge, der von seinem „zweiten Großvater“, einem alten und blinden Mann aus der Nachbarschaft, eine Blutspende erhält, in deren Anschluß der alte Mann stirbt. Jahre später erbt der inzwischen Herangewachsene die Datscha des Toten und geht dessen Spuren nach. Dabei entdeckt er, daß sein zweiter Großvater Lagerkommandant war. Der Mann macht sich auf die Reise nach Sibirien, dort wo der Großvater Leiter eines Erschießungskommandos war. Die Reise macht ihm nicht nur die unendlichen Verbrechen des Sowjetsystems konkret bewußt, sondern offenbart ihm darüber hinaus neue Perspektiven auf seine Heimat und sein Volk.

Sergej Lebedew: Der Himmel auf ihren Schultern. S. Fischer Verlag, 336 Seiten, 19,99€.

Der Begriff Balkan ist vielfältig konnotiert. Über die Jahrhunderte haben sich Begriffe wie „Balkanisierung“ oder „Balkanische“ Zustände ausgeprägt und werden mit Rückständigkeit, staatlichem Chaos, Zersplitterung und Konfliktträchtigkeit assoziiert. Vielen gilt er immer noch als das „Pulverfaß Europas“. Gerade wenn sich im nächsten Jahr der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hunderdsten Mal jährt, rückt die Region auch wieder in das aktuelle Blickfeld. Der Journalist Christian Wehrschütz ist seit 1999 im Auftrag des ORF für die Berichterstattung über das ehemalige Jugoslawien zuständig und hat nun ein Buch über seine Erfahrungen in und Einschätzungen von der Region veröffentlicht. Er geht davon aus, daß der Balkan der entscheidende Testfall für ein gemeinsames Europa wird. Durch die Krise der Euro-​Zone sei der Beitritt für die Staaten des Balkans immer unattraktiver geworden, allerdings fehle es ihnen an Alternativen. Besonders in den Staaten, die bereits beigetreten sind, Slowenien und Kroatien, dürfte sich allmählich ein tiefer Beitrittsschock breitmachen.

Christian Wehrschütz: Brennpunkt Balkan. Blutige Vergangenheit — Ungewisse Zukunft. Styria premium, 240 Seiten, 24,99€.

Der deutschen Romantik wird ein nicht unwesentlicher Einfluß auf die Befreiungskriege gegen Napoleon zugesprochen. Nicht nur Politiker sondern gerade Schriftsteller, Philosophen und Künstler sollen mit ihrem Einsatz zur Mobilisierung gegen die Koalitionsheere beigetragen haben. Eine Ausstellung im Dresdener Militärhistorischen Museum der Bundeswehr hinterfragt nun diesen Mythos. Auch wenn man den dekonstruktivistischen Ansatz der Ausstellung nicht teilen mag, so versprechen die über 500 Exponate aus internationalen Museen und vielen privaten Sammlungen doch, ein ansprechendes Zeitbild geboten zu bekommen.

Blutige Romantik – 200 Jahre Befreiungskriege. Ausstellung im Dresdener Militärhistorischen Museum bis 16. Februar 2013.

Das Enfant terrible Jürgen Elsässer sorgt mal wieder für Furore. Der eifrige Querfrontler hat zu seiner zweiten Souveränitätskonferenz etliche illustre Gestalten versammelt. Damit hat sich sein Ruf wohl endgültig vom linken Obskurantisten mit „kruden Thesen“ zum Rechtspopulisten gewandelt. Die etablierte Presse schäumt bereits fleißig gegen die Veranstaltung am 23. November an, zu der u. a. Eva Herman, Thilo Sarrazin, Peter Scholl-​Latour, Bernhard Lassahn, Ulrich Schacht, Frauke Petry (AfD) und mit Béatrice Bourges die, um den unvermeidlichen Satz des französischen Innenministers, Manuel Valls, zu zitieren, „gefährlichste Frau Frankreichs“. Als Thema soll die Frage diskutiert werden, ob Europas Völker abgeschafft werden. Unterhaltsam wird’s allemal, abschreckend sind allerdings die Preise, die für den Normalzahler bei 79 Euro beginnen.

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