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Wir geistigen Brandstifter

Mittwoch, 09 Oktober 2013 09:25 von Nando-​Dragan Augener

Größer und umfangreicher als beim ersten Mal präsentierte sich die konservative Szene auf dem 2. Zwischentag am 5. Oktober 2013 in Berlin.

In aller Herrgottsfrühe fuhren wir zu fünft in einem kleinen Toyota los. Aus dem tiefroten Hamburg kommend, hatten wir eine dreistündige Fahrt mit dem Auto vor uns. Auf Parkplatzsuche am Veranstaltungsort in Berlin-​Wilmersdorf treffen wir auf ein paar linke Gegendemonstranten, die sich gegenüber dem Logenhaus versammelt hatten. Allerdings sind nur an die zehn Leute zu dieser Veranstaltung gekommen. Sporadisch verteilten sie Flyer mit Slogans wie zwischentag1Intellektuelle Rechte? Halt´s Maul! und Geistige Brandstiftung verhindern!. Auch wir bekamen einige in die Hände gedrückt. Eigentlich handelte es sich um ganz freundlich wirkende Aktivisten, aber zu Gesprächen waren sie trotzdem nicht bereit. Endlich am Veranstaltungsort angekommen, traf ich gefühlte alle zehn Meter jemanden, den ich aus irgendeinem Kontext schon kannte. Spannend, aber anstrengend zugleich!

Nach einem ersten Rundgang über die Messe hatte ich das Bedürfnis, am liebsten bei jedem Stand ein paar Geldscheine liegen zu lassen. So vieles ist einfach interessant, lesenswert und unterstützenswert. Beispielsweise der englisch-​schwedische Verlag Arktos, mit dem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch von Alexander Dugin Die vierte politische Theorie.

Viele Themen in kurzer Zeit: Röcke und Schleyer

Doch neben den Ausstellern waren ebenso Präsentationen und Podiumsdiskussionen angesetzt. Leider kamen zu manchen Veranstaltungen auf dem Kultur-​Podium kaum Zuhörer. Das lag wahrscheinlich an ungünstigen Überschneidungen mit anderen, kontroverseren Veranstaltungen, oder aber auch an der till roeckeAbgelegenheit des Podiums. So wurde man beispielsweise BN-​Autor Till Röcke mit seinem gerade über den Dichter Gottfried Benn erschienenen Buch Radardenker nicht ganz gerecht. Kaum Besucher, kaum Möglichkeiten, sich mit dem interessanten aber anspruchsvollen Stoff weiter auseinanderzusetzen.

Diese geballten Informationen in stark konzentrierter Form blieben im wahrsten Sinne des Wortes nur wenigen Menschen vorbehalten. Ein anderer durch die BN bekannter Autor und Preisträger des diesjährigen Kafka-​Kulturpreises, Alexander Schleyer, hatte auch mit diesen Umständen zu kämpfen. Schon eine Stunde nach dem Beginn der Messe mußte er seine Lyrik präsentieren. Diese Veranstaltung hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Sicherlich ist es jedoch schwierig, so viele anregende Veranstaltungen in begrenzter Zeit unter einen Hut zu bringen. Da kann man nicht jedem gerecht werden.

Konservative Bildungszentren: Menzel und Lichert

Einer der Höhepunkte des Tages war die Podiumsdiskussion über konservative Bildungszentren mit dem Leiter des Zentrums für Jugend, Identität und Kultur, Felix Menzel, und dem Leiter der Projektwerkstatt Karben, Andreas Lichert, der in den vergangenen Monaten eine regelrechte Hetzjagd erleben mußte. Durch die schleyerMedien geisterten Begriffe wie „Neonazi-​Nest“ und „brauner Spuk“, ohne daß die betreffenden Journalisten jemals richtig mit Lichert ins Gespräch gekommen wären. Thematisiert wurde die Frage, was passiert, wenn die Mieträume eines Tages verweigert werden und warum man sich so etwas wenig profitables wie ein konservatives Kulturzentrum in der heutigen Zeit antun müsse.

Der Moderator Götz Kubitschek stellte die provokante Frage, ob Konservative, ähnlich wie die Linken, sich an Hausbesetzungen versuchen und die Legalität damit überschreiten sollten? Menzel verneinte. Manch einer hätte ihm vielleicht widersprochen. Für ihn besteht in Deutschland ein geistiges Vakuum, um politische Grundsatzfragen diskutieren zu können. Gerade deswegen sei es ungemein wichtig, diese Arbeit trotz begrenzter Mittel anzugehen und zu gestalten. Des Weiteren betonte er, daß das Zentrum für Jugend, Identität und Kultur in Dresden keine Massenthemen besetze, sondern intellektuelle Arbeit betreibe. Gerade in diesem Kontext ist es unverständlich, wenn die leidige, sich alternativ gebende taz wieder einmal die Gefahr von rechts thematisiert und schlichte Falschbehauptungen und Verleumdungen gegen Menzel und die BN verbreitet.

Zu den weiteren Höhepunkten des 2. Zwischentages gehörte sicherlich die Podiumsdiskussion über die Identitäre Bewegung und andere rechte Projekte in Europa. Teilnehmer waren unter anderem Markus Willinger, der – obwohl in keiner identitären Ortgruppe aktiv – ein Buch über sie geschrieben hat, Philippe Vardon als Vertreter der französischen Sektion und weitere Vertreter aus Deutschland und Österreich. Gerade die Identitäre Bewegung zeichnete sich auf dem Zwischentag durch ein unverkrampftes und lockeres Auftreten aus. Leider wird dieser europäischen Bewegung immer wieder vorgeworfen, nur im Internet aktiv zu sein. Dies ist allerdings nicht der Fall. Der Vorsitzende der Identitären Bewegung in Deutschland rief bei der Podiumsdiskussion abschließend alle Identitären im Saal dazu auf, nach vorne zu kommen und somit zu zeigen, daß die Bewegung kein virtuelles Phänomen ist. Eine doch nicht ganz kleine Anzahl von jungen Leuten kam nach vorne. Diese Veranstaltung lieferte ein rechtes Panorama von diversen Vertretern europäischer Projekte aus Ungarn, Frankreich und Italien.

Gabriele Adinolfi – ein Rechtsterrorist?

Der im Vorfeld umstrittenste Vertreter, Gabriele Adinolfi, wurde von seinen Gegnern als Beteiligter des Bologna-​Anschlages aus dem Jahre 1980 gehandelt. Adinolfi ging damals für 20 Jahre ins französische Exil, weil er befürchtete, daß der Prozeß in seiner Heimat unfair ablaufen könnte. Inzwischen ist er sich wie weissmannviele andere auch sicher, daß der Geheimdienst hinter dem Anschlag steckte. Auf dem Zwischentag betonte er, seine Ankläger seien die wahren Verbrecher, die nichts Gutes mit ihm in Sinn gehabt und ihn ins Exil gezwungen hätten.

Nach so vielen Eindrücken und Veranstaltungen genehmigte ich mir mit einem Freund aus Hamburg einen belgischen Apfelschnaps, den die schon angeheiterte belgische Organisation Rechts Actueel feilbot. Langsam neigte sich der Tag dem Ende zu. Der Berliner Musiker Sacha Korn spielte einige seiner neuesten Stücke, war jedoch mit der Qualität der Akustik nicht ganz zufrieden. Man merkte schon, daß einige seiner Lieder mit E-​Gitarre und Schlagzeug besser geklungen hätten, aber trotzdem wußten Texte und Melodie zu überzeugen.

Weißmann über „Politik und Metapolitik“

Zum Glück konnte ich Sacha Korn auf den letzten Drücker noch für eine kurze Unterhaltung gewinnen. Die danach stattfindende Eröffnung des Büffets, eigentlich für etwas später geplant, wurde von uns Hamburgern schon heiß ersehnt. Seit über zwölf Stunden auf den Beinen hatte sich ein großer Hunger angesammelt. Glücklicherweise war das Essen gut und stärkte uns für die furiose und erstklassige Rede von Karlheinz Weißmann, der sich süffisant als „lebendes Fossil“ der Neuen Rechten bezeichnete. Zu später Stunde fuhren wir zu einer Berliner Burschenschaft, um dort zu nächtigen. Leider funktionierten die Heizungen nicht und wir verbrachten eine wahrlich erfrischende Nacht. Doch was tut man nicht alles, um als geistiger Brandstifter zu gelten? Definitiv wird der 3.Zwischentag im nächsten Jahr noch feuriger und fulminanter. Viele Herzen haben jedenfalls jetzt schon Feuer gefangen.

Bilder:

  1. BN-​Messestand
  2. Antifa-​Demo
  3. Till Röcke
  4. Alexander Schleyer
  5. Karlheinz Weißmann
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